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Ursprung der jüdischen Speisevorschriften

Glaubt man der Bibel, waren Adam und Eva Veganer. Im 1. B. Moses 1, 29 heißt es: "Und Gott sprach: Siehe, ich geb euch alles Kraut Samen tragend, das auf der Fläche der ganzen Erde, und jeglichen Baum an welchem Baumfrucht, Samen tragend euer sei es zum Essen“. Im ersten Kapitel des ersten Buchs Moses wurde den Menschen also lediglich gestattet, Pflanzliches zu essen.

Nach der Sintflut jedoch wurde den Überlebenden, den Nachkommen Noahs, gestattet, auch Fleisch zu essen: „Alles was sich regt, was da lebet, euer sei es zum essen; wie das grüne Kraut gebe ich euch alles. Doch Fleisch mit seinem Leben, seinem Blute, sollt ihr nicht essen.“ (1.B. Moses,9:3-4). Hieraus folgt: Fleisch ist grundsätzlich erlaubt, Blut ist jedoch zum Verzehr verboten.

Später, unter Moses, erhalten die Israeliten von Gott am Berg Sinai die Tora mit den Zehn Geboten und von nun an ändert sich sehr vieles auch im Hinblick auf die für sie erlaubte Nahrung.

Nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten unter Moses’ Führung war der junge frisch entstandene Monotheismus, der Glaube an einen einzigen Gott, den man nicht sehen kann, etwas revolutionär Neues für die damalige Zeit und die Gegend in der er entstand. Dieser junge völlig andersartige Glaube musste in Abgrenzung zu den umliegenden Kulturen und Traditionen besonders geschützt und gefestigt werden.
Das Volk Israel sollte sich von den Kulturen und Lebensweisen seiner Nachbarn abgrenzen, absondern, um nicht in Götzendienst zurück zu verfallen. In dem es ihm verboten wird, die Speisen der Nichtjuden zu essen, wird das Volk Israel von den umliegenden Völkern kulturell getrennt und eine Vermischung verhindert.
Im 3. B. Moses, 11:1-46 werden die Tiere aufgeführt, deren Fleisch zum Verzehr erlaubt ist. Als „unrein“ bezeichnete Tiere sind verboten, „reine“ erlaubt.

Die erste früher zitierte biblische Stelle, die Fleisch erlaubte („alles was sich regt…“), betraf die gesamte Menschheit. In dieser zweiten Bibelstelle wendet sich Moses an die Israeliten und nur in Bezug zu ihnen wird zwischen rein und unrein differenziert.
Zum Verzehr erlaubt sind unter den Säugetieren: Paarhufer mit ganz durchgespaltenen Klauen, die gleichzeitig Wiederkäuer sind.
Unter den Vögeln: Huhn, Truthahn, Ente, Gans, Tauben (und seit einer Rabbinischen Entscheidung von vor ca. 40 Jahren auch Wachteln).
Unter den Fischen sind alle Süßwasser- und Meeresfische, die gleichzeitig Flossen und Schuppen haben, erlaubt. Meeresfrüchte und Krustentiere sind verboten.

In diesem Zusammenhang muss zum besseren Verständnis auf einen wichtigen sprachlichen Aspekt des Hebräischen im Unterschied zum Deutschen hingewiesen werden.
Im Hebräischen gibt es einen Unterschied zwischen den Wörtern für „rein“ und „sauber“.
Diese beiden Wörter sowie ihr Gegenteil „unrein“ und „schmutzig“, sind im Deutschen austauschbare Begriffe. Im Hebräischen aber sind es keine (bedeutungsgleichen) Synonyme. Sauber heißt auf Hebräisch „naki“ und schmutzig „ meluchlach“. Diese beiden Wörter beziehen sich auf äußere, physische Sauberkeit oder Verschmutzung. Ein Kleidungsstück kann naki (sauber) sein, der Fußboden eines Raumes kann meluchlach, „schmutzig“ sein. Hingegen bezeichnen die Begriffe „tahor“ (rein) und „tame“ (unrein) wie sie im hebräischen Bibeltext stehen einen seelischen oder spirituellen Zustand. Der Unterschied zwischen „unrein“ und „rein“ ist ein spiritueller Unterschied zwischen zwei Zuständen, „rein“ steht in Verbindung zu Gott, bei „unreinem“ fehlt diese Verbindung zu Gott.

Die Definition der zum Verzehr erlaubten Säugetiere ist in der Tora klar formuliert (zugleich Wiederkäuer und ganz durchgespaltene Hufe), aber der Bibeltext gibt keine Erklärung, warum gerade diese beiden Kriterien so wichtig sind. Auch unsere Weisen, die sich im Laufe der Jahrhunderte in zahlreichen Debatten damit beschäftigten, kamen zu keinem befriedigenden Resultat. Damit bleibt die Kaschrut ein sogenannter „Chok“, eine unerklärte und für Menschen unerklärbare Gesetzeskategorie mit Geboten (Mizwot), die man, in Gehorsam gegenüber Gott einfach nur annehmen und befolgen soll.

An einer späteren, als der zuletzt zitierten Stelle der Tora, nämlich im 5. B. Moses, 14:4-5, werden die zum Verzehr erlaubten Säugetiere namentlich aufgezählt: “„ Dies ist das Vieh, das ihr essen dürfet: Ochs, Schaf und Ziege, Reh und Hirsch und Damhirsch, Steinbock, Gemse, Büffelochs und Antilope“.

Trotzdem findet sich auf den Speiseplänen religiöser Juden, was Säugetiere anbelangt, außer Rind, Kalb, Schaf und Ziege kein Wild obwohl z.B. das Fleisch von Hirsch und Reh durch die Tora ausdrücklich erlaubt ist (Paarhufer und Wiederkäuer). Warum?

Der Grund ist, weil selbst Fleisch von erlaubten Tieren, um koscher zu bleiben, bevor es auf den Tisch kommt, noch anderen Kriterien genügen muss. Da Blut auch von erlaubten Tieren zum Verzehr streng verboten ist, muss selbst ein zum Verzehr erlaubtes Tier beim Vorgang des Tötens völlig ausbluten, damit sein Fleisch koscher ist bzw. bleibt. Deswegen gibt es die jüdische Tötungsmethode des Schächtens. Wild muss aber geschossen werden und Fleisch von Tieren, die auf diese Weise getötet wurden, ist für Juden nicht zum Verzehr erlaubt. Diese Bestimmungen und viele andere weiterführende Auslegungen für die koschere Küche haben Rabbiner im Laufe der Jahrhunderte aufgestellt; sie stehen nicht direkt so formuliert in der Tora, sind aber Ableitungen der Worte der Tora.

Koscher ist nur ein erlaubtes Tier, das unverletzt ist und bei dem die inneren Organe, insbesondere die Lunge, gesund sind. Verletzte u. kranke Tiere sind nicht koscher und dürfen nicht verzehrt werden, selbst dann nicht, wenn es sich um erlaubte Tiere handelt und diese geschächtet wurden.

Um die Eignung des Fleisches zum koscheren Verzehr zu gewährleisten, gibt es den rituellen Schächter, „Schochet„ und den Lebensmittelkontrolleur, den „Maschgiach“. Beide müssen fromme Juden sein und nach den Geboten der Tora leben, sonst dürfen sie dieses Amt nicht ausüben. Natürlich müssen sie darüber hinaus fundierte Spezialkenntnisse für ihre Berufstätigkeit besitzen, aber die Frömmigkeit ist eine Garantie für die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit der Ausübung ihrer Tätigkeit und soll vor Korruption schützen. Lebensmittelskandale, Pfuscherei und Umgehung von Gesetzen, um materiellen Gewinn zu erzielen, sogen. „Gammelfleisch“ oder Etikettenschwindel im Hinblick auf das Tier, von dem das Fleischstück im Kühlregal stammt, sind normalerweise bei koscherem Fleisch und anderen als koscher zertifizierten Lebensmitteln nicht möglich.