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Trauer

Das Verlassen des Grabes

Wenn die Teilnehmer an der Beerdigung das Grab verlassen, legen sie kleine Steine auf das Grab. Steinchen auf ein Grab zu legen, ist nicht nur beim Begräbnis üblich, sondern auch jedes Mal, wenn ein Grab besucht wird. Ein mit Steinen bedecktes Grab zeigt, dass es viele Leute besuchen, eine Ehre für den Verstorbenen.

Vor dem Verlassen des Grabes ist es mancherorts üblich, dass die Anwesenden zwei Reihen bilden, zwischen denen die Trauernden gehen. Dabei werden folgende Trostworte gesprochen: „Der Allgegenwärtige tröste euch inmitten aller, die um Zion und Jerusalem trauern.“

In einigen Gemeinden bilden Männer und Frauen getrennte Reihen. Aber dieser formale Akt des Trostes ersetzt nicht den persönlichen Kontakt mit dem Trauernden während der Trauerwoche und die Bemühungen, ihn zu trösten.

Das Verlassen des Friedhofes

Beim Verlassen des Friedhofes wäscht man sich die Hände in einem Waschbecken, das beim Friedhofseingang angebracht ist, indem man sie drei Mal mit Wasser übergießt. Damit wird die Trennung von Tod und Unreinheit symbolisiert, denn ein Friedhof oder überhaupt die Nähe oder der Kontakt zu Toten gilt im Judentum als unrein.

Das Mahl des Trostes (Se´udat Havra´ah)

Nach der Rückkehr vom Friedhof ist es üblich, sich zu einem Mahl im Trauerhaus zu versammeln. Dies ist das erste Essen, das die Trauernden nach dem Begräbnis zu sich nehmen, und es ist Sitte, runde Lebensmittel zu servieren: Eier, Linsen, Beigel. Diese runden Lebensmittel symbolisieren den Kreislauf von Leben und Tod. Die traditionelle Trauerpraxis versucht, ein Gleichgewicht zwischen dem Ausdruck der Trauer und den Bedürfnissen des täglichen Lebens herzustellen. Daher ist der erste Augenblick der Trauer mit einem Mahl verbunden. Es ist üblich, dass Freunde und Verwandte die Lebensmittel für dieses Mahl in das Trauerhaus bringen, um ihre Sorge für die Trauernden zu zeigen.

Die Trauerzeit

Die jüdische Tradition unterteilt die Trauerzeit in vier grundlegende Perioden ein,für welche verschiedene Vorschriften gelten und verschiedene Bräuche eingehalten werden. Die erste Periode ist die Zeit zwischen dem eingetretenen Tod und dem Begräbnis.

Nach dem Begräbnis beginnt die zweite Periode, die „Schiwa“, das sind 7 Tage, die erste Trauerwoche. Während dieser Zeit bleiben die Trauernden zu Hause, sitzen auf niedrigen Stühlen („Schiwa-Sitzen“) und werden von Freunden und Bekannten besucht, die sie trösten. Gottesdienste werden im Trauerhaus abgehalten. Der Sohn oder ein naher männlicher Verwandter spricht täglich beim gemeinsamen Gottesdienst das „Kaddischgebet“. Dies soll der Stärkung des Glaubens dienen und die Annahme des göttlichen Gerichts erleichtern. In diesen ersten 7 Tagen nach dem Begräbnis ist für die Trauernden verboten, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Sie sollen ihren Körper nicht oder nur notdürftig mit kaltem Wasser waschen und keiner kosmetischen Behandlung unterziehen (d.h. man schminkt sich und parfümiert sich nicht), die Haare sollen nicht geschnitten werden und Männer rasieren sich nicht. Trauernde sollen keine Lederschuhe tragen (u.a. weil dafür ein anderes Lebewesen den Tod erleiden musste) und ihre Kleider nicht wechseln, mit Ausnahme der Unterwäsche. Schmuck soll in der ersten Trauerwoche nicht getragen werden und eheliche Beziehungen sollen unterlassen werden. Allgemein sollen Freuden jeder Art vermieden werden (z.B,. soll man in dieser zeit keine Musik hören).

Die Vorbereitung des Trauerhauses für die „Schiwa“

Wenn man sich dazu entschlossen hat, „Schiwa zu sitzen“, muss das Trauerhaus bzw. ein Raum darin schon vor dem Begräbnis mit genügend Stühlen für Besucher vorbereitet werden. Das Trauerhaus muss mit Erinnerungskerzen ausgestattet werden; man braucht eine große Anzahl von Gebetbüchern, Käppchen und eine Torarolle für den Gottesdienst, denn an Montagen, Donnerstagen und am Samstag wird im Rahmen des Morgengottesdienstes wie in der Synagoge aus der Tora gelesen. Für die Trauernden werden niedrige Stühle aufgestellt, Spiegel werden verhängt.

Der Schabbat, der wöchentlich Ruhetag, der am Freitag mit Sonnenuntergang beginnt und bis zum Sonnenuntergang am Samstag dauert und der normalerweise festlich begangen wird, unterbricht die Trauer und  ihre Einschränkungen. Die Trauernden dürfen das Haus verlassen, um zum Gottesdienst in die Synagoge zu kommen. Nach der Schiwa-Woche kann erstmals das Grab besucht werden, vorher nicht. 

Schloschim

Nach dieser ersten Woche kommen die „Schloschim“, die 30 Tage. Dieser Zeitabschnitt beginnt mit dem Begräbnistag, nicht mit dem Ende der 7 Tage, daher beziehen sich die besonderen Vorschriften für diese Periode auf nur 21 Tage

Am Ende der „Schloschim“ (30 Tage) besuchen die Angehörigen wieder das Grab. In Israel wird zu diesem Zeitpunkt meist schon der Grabstein gesetzt. Andern Orts wartet man damit bis zum Ende des Trauerjahres.

Die jüdische Tradition unterscheidet auch bezüglich der Länge der vorgeschriebenen Trauerzeit zwischen verschiedenen Verwandtschaftsgraden. Für Eltern trauert man ein ganzes Jahr, während man für andere Verwandte (Bruder, Schwester, Ehepartner) nur 30 Tage trauert.

Jahrzeit

12 Monaten nach dem Beerdigungstag wird das erste Jahresgedächtnis abgehalten. Danach wird jedes Jahr am Todestag, des Verstorbenen in besonderer Weise gedacht. Dies wird „Jahrzeit“ genannt. Dies ist ein Tag der andächtigen Erinnerung an den teuren Toten. An diesem Tag wird zu Hause eine Kerze angezündet, die 24 Stunden brennen soll und man geht zum Gottesdienst in die Synagoge, wo man das Kaddischgebet spricht. Diese Vorschrift soll helfen, über die Jahre Schuldgefühle dem Toten gegenüber zu verarbeiten und abzubauen und dem Vergessen des Verwandten entgegenwirken.

Mit jeder Trauerperiode von der Schiwa über die Schloschim bis zum Ende des Trauerjahres werden die Trauerbräuche und die Einschränkungen, denen die Trauernden unterworfen sind, weniger, bis zur Rückkehr zum normalen Alltag.

Die religionsgesetzlichen Vorschriften betonen besonders die Ehre und den großen Respekt, die wir den Toten schuldig sind. So darf man auf einem Friedhof nicht essen, trinken, Holz oder Gras sammeln oder das Vieh weiden. Auch das einfache Spazierengehen zur Erholung ist dort nicht gestattet. Ein einmal geschlossenes Grab darf nicht wieder geöffnet werden. Exhumierungen sind nur bei Überführung in ein bereits bestehendes Familiengrab zulässig oder zwecks Bestattung im Lande Israel, natürlich auch wenn sie polizeilich angeordnet sind, denn bei allen jüdischen Gesetzen und Vorschriften hat immer das Landesgesetz den Vorrang.

Gräber

Jüdische Friedhöfe, d.h. insbesondere die sich dort befindenden Gräber, sind auf die Ewigkeit angelegt, bzw. für die Zeit bis der Messias kommt. So ist es im Allgemeinen nicht möglich, nach einer Bestattung das Grab zu öffnen, um später Angehörige im gleichen Grab zu bestatten. Ein Friedhof darf nur aufgegeben werden, die Toten dürfen nur exhumiert werden, wenn andernfalls ein unverhältnismäßig großer Schaden für die Allgemeinheit entstehen würde. Aber auch in diesem Fall darf danach der Boden nicht für unwürdige Zwecke benutzt werden. Dass jüdische Gräber für die Ewigkeit eingerichtet sind, kommt daher, dass das Judentum an eine körperliche Auferstehung glaubt, wenn der Messias, der Erlöser, einst kommen wird. Das ist auch ein Grund, warum die Verbrennung einer Leiche im Judentum religiös nicht erlaubt ist. Und das ist ebenfalls der Grund, warum man sich bemüht im Falle eines Todes durch einen Flugzeugabsturz oder durch eine Explosion, möglichst alle Körperteile eines Menschen, auch die kleinsten, zusammenzusuchen, um sie würdig zu bestatten.

Ein weiterer Grundsatz der jüdischen Religion im Hinblick auf den Umgang mit Toten ist, dass man von einem Toten keine Vorteile erhalten darf. So darf man ein für einen Toten bestimmtes Grab nicht anderweitig verkaufen. Auch nach einer Umbettung darf der Platz bzw. der Grabstein nicht verkauft, sondern höchstens unentgeltlich einem Armen übereignet werden. Dies, weil die Beerdigung kein Vorteil, sondern eine religiöse Pflicht ist. Beeren oder essbare Pilze von einem Friedhof zu sammeln und zu essen, ist nicht erlaubt.

Einer der Gründe, warum es nicht üblich ist, Blumen auf jüdischen Gräbern zu pflanzen, ist die Befürchtung, dass man sie pflücken und anderweitig benutzen könnte. Bei vielen religiösen Autoritäten hat sich allerdings inzwischen die Überzeugung durchgesetzt, dass Blumen auf Gräbern zur Ehre des Toten („Kawod Hamet“) und nicht um der Besucher willen gepflanzt werden, weshalb Blumenschmuck geduldet wird.

Das Grab bleibt Eigentum des Toten. Eine Konsequenz daraus ist, dass die Grundstücke, auf welchen Jüdische Friedhöfe angelegt werden, meistens der regionalen jüdischen Gemeinde, die sie zu diesem Zweck erworben haben, gehören. So haben sie allein die Kontrolle über das, was auf diesem Grundstück geschieht, und vermeiden unerwünschte Einebnungen von Gräbern oder Exhumierungen und Neubelegung der Gräber, wie sie sonst auf städtischen Friedhöfen üblich geworden sind.