• image
  • image
  • image
  • image
  • image
  • image
  • image

Synagoge und Gemeindehaus

Da der Standort der ehemaligen Synagoge nicht mehr frei war, bot die Stadt im Austausch den Bauplatz Lortzingstraße 8 an. Die zwischen 1948 und 1950 nach Plänen des Saarbrücker Architekten Heinrich Sievers (1903-1969) in Saarbrücken dort erbaute neue Synagoge mit darüber befindlichem Gemeindehaus wurde am 14. Januar 1951 im Rahmen eines Festaktes unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit ihrer Bestimmung übergeben. Anwesend waren bei der Einweihungsfeier u.a. der Hohe Kommissar, Gilbert Grandval, als Vertreter der französischen Behörde an der Saar, der stellvertretende Ministerpräsident des Saarlandes, Minister Richard Kirn, Justizminister Dr. Heinz Braun, der Landtagspräsident Dr. Franz Singer, der Bürgermeister der Stadt Saarbrücken, Peter Zimmer, sowie Vertreter beider christlicher Konfessionen. Die Saarbrücker Synagoge war somit die erste, die nach dem Holocaust auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik geplant und fertiggestellt wurde.

Über dem Eingangsportal des Gebäudes ist in hebräischen Buchstaben ein Zitat aus Psalm 113, 2 eingemeißelt: „Der Name des Ewigen sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit“.
Der Spruch über dem Eingangsportal zur Synagoge im Innern des Gebäudes ist ebenfalls ein Psalmenzitat: “Gesegnet, der da kommt im Namen des Ewigen“ (Ps. 118,26).

Obwohl die Frage der religiösen Ausrichtung der neuen Gemeinde nie explizit und offen von den Gründern thematisiert worden war, entspricht die innere Aufteilung des Synagogenraumes, wie auch schon bei der Saarbrücker Vorkriegssynagoge, derjenigen einer Reformsynagoge: Die Bima ist im vorderen Bereich und nicht in der Mitte des Raumes angesiedelt und rechts und links davon sind an exponierter Stelle und als gut sichtbare architektonische Gestaltungselemente je eine Gruppe Orgelpfeifen ( Fa. Roethinger, Straßburg) angeordnet; das Pult auf dem Vorbetertisch ist mit einem Kugellagersystem ausgestattet, das es erlaubt, dieses am Schabbat und an Feiertagen von Hand für die Lesung aus derTora und für die Predigt um 180 Grad zu drehen, sodass der Vorleser dann sein Gesicht der Gemeinde zuwendet.

Die Ostwand mit dem Toraschrein ist, wie auch der ganze vordere Bereich, mit grauem Marmor verkleidet. Der Toraschrein ist mit einem umlaufenden bronzenen Fries von Myrtenblättern und -früchten dekoriert. Dieser ebenso wie der Vorhang vor dem Toraschrein, das Ewige Licht, der Chanukka-Leuchter, die beiden Stehleuchten in Gestalt siebenarmiger Leuchter, die Gedenktafel für die Opfer der Shoah und der Vorbetertisch sind nach Entwürfen der Goldschmiedin Alice Bloch gefertigt, die auch Toraschmuck und weitere Kultgegenstände für die neue Saarbrücker Synagoge entworfen und hergestellt hat. Alice Bloch (1913-2005) war die Tochter von Léon Bloch, dem Organisten, der in der Saarbrücker Vorkriegssynagoge von 1923 an und bis zu seiner Emigration 1935 das Harmonium bespielte und den Chor leitete.

Die Holzbänke für die Beter im Erdgeschoß sind in zwei Blöcken rechts und links des Mittelgangs angeordnet.

Die Frauenempore im ersten Obergeschoss der Synagoge wird durch die Treppe, die von der Eingangshalle abgeht, erreicht.

Die oberen Etagen des Gebäudes beherbergen das Gemeindezentrum mit Gemeindesaal, Küche, Verwaltungsbüros und Hausmeisterwohnung. Da im Zuge der Erweiterung des Personalstammes dringend mehr Platz für weitere Büros und einen Jugendraum benötigt wurde (von 2004 bis Sommer 2009 waren ausgelagerte Räumlichkeiten für ein Jugendzentrum angemietet gewesen), beschloss man, 2005 auf die für den Kantor oder Rabbiner gedachte Dienstwohnung im dritten Obergeschoss zu verzichten und sie als Erweiterung der Räumlichkeiten für die Verwaltung umzufunktionieren. Seitdem wohnen der Kantor bzw. der Gemeinderabbiner außerhalb des Gemeindehauses.

An der Wand in der Eingangshalle zeigt eine schematische Landkarte des Saarlandes die 23 Orte an, wo vor dem Holocaust eine Synagoge oder eine Betstube existierte.

Ein Fahrstuhl war in der ursprünglichen Planung nicht vorgesehen und wurde erst später eingebaut.

Bis 1991 war das große schmiedeeiserne und verglaste Eingangstor während der Gottesdienste am Schabbat und an Feiertagen stets unbewacht und geöffnet. Auch die Buntglasfenster der Synagoge waren bis dahin völlig ungeschützt. Der zweite Golfkrieg und die mit ihm auch im Saarland einhergehenden anonymen telefonischen und schriftlichen antisemitischen Drohungen, die im Gemeindesekretariat eingingen, bewogen die Gemeindeleitung, die Fenster der Synagoge mit Gittern und den Eingang mit neuen Türen und einer Sicherheitsschleuse auszustatten. Da Israelfeinde keinen Unterschied zwischen Israelis und deutschen, französischen oder amerikanischen Juden machen, die seit Jahrhunderten in der Diaspora leben und eben keine israelischen Staatsbürger sind und keinen Einfluss auf die Politik Israels haben, hat sich seitdem leider die Sicherheitssituation für unser Gemeindehaus nicht verbessert, ja bis heute eher verschlechtert. Die Sicherheitsschleuse des Eingangsbereichs wurde deswegen inzwischen um eine mit kugelsicherem Glas ausgestattete Kabine zum Schutz des dort diensttuenden Sicherheitspersonals ergänzt.

Übersicht