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Synagoge und Gebet

Die jüdische Religion regelt über die Ge- und Verbote das gesamte tägliche Leben und verlangt vom Gläubigen Taten: drei Mal täglich zu beten, die Sabbatruhe einzuhalten, Segenssprüche bei verschiedenen Gelegenheiten zu sprechen, die Speisegesetze einzuhalten (u.a. Verbot des Verzehrs von Schweinefleisch, Verbot des gleichzeitigen Verzehrs von Fleisch- und Milchprodukten), Wohltätigkeit und Nächstenliebe zu üben usw.

Die Synagoge
Das Wort Synagoge ist eine griechische Bezeichnung für den religiösen Versammlungsort der Juden, die ihn insbesondere zum Beten aufsuchen. Eine weitere gängige hebräische Bezeichnung ist Bet Knesset- Haus der Versammlung. Bereits zur Zeit des zweiten Tempels im 1. Jahrhundert vor christlicher Zeitrechnung gab es in- und außerhalb des damaligen Palästina Synagogen.


Der Tempel in Jerusalem (erster Tempelvon König David ca. 965 vor christl. Zeitrechnung eingeweiht und 586 vor christl. Zeitrechnung durch Nebukadnezar zerstört, zweiter Tempels durch König Salomo 516 vor christl. Zeitrechnung eingeweiht und im Jahr 70 nach christlicher Zeitrechnung durch die Römer zerstört) war ein einzigartiges Zentrum und das dominierende Symbol für das ganze jüdische Volk. Es war ein Prachtbau, in dem Priester dienten und sich um die Opfer kümmerten. Auch war der Tempel Ziel der vorgeschriebenen Wallfahrten anlässlich der Feste Pessach, Schawuot und Sukkot.


Eine Synagoge, die selbst in einem bescheidenen Raum eines Privathauses untergebracht sein kann, zeichnet sich lediglich dadurch aus, dass sich in ihr Torarollen befinden.


Seit der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem waren und sind Synagogen die einzigen jüdischen Kulträume sowohl im damaligen Palästina als auch in der Diaspora bis zum heutigen Tag. Mit der Zerstörung des Tempels endete auch die Praxis des rituellen Opferdienstes, der von da an durch Gebete ersetzt wurde.

Die Gebete
Täglich drei Mal, morgens, nachmittags und abends, ist ein im religiösen Sinn volljähriger jüdischer Mann, d.h. ab dem 13. Lebensjahr, verpflichtet, vorgeschriebene Gebete zu rezitieren. Siekönnen alleine zu Hause oder an einem anderen Ort gesprochen werden, vorzugsweise aber im Rahmen eines gemeinsamen öffentlichen Gottesdienstes in einer Synagoge.
Damit ein solcher öffentlicher Gottesdienst stattfinden kann, werden mindestens zehn religiös mündige (älter als 13 Jahre alte), männliche jüdische Beter benötigt. Kommt ein solches Quorum (hebr. „Minjan“) nicht zustande, beten die Anwesenden jeder für sich. Einige Gebete, wie z.B. dasKaddischgebet, können dann nicht gesprochen werden, auch kann dann nicht aus der Tora vorgelesen werden.


Für die Verrichtung der Gebete gibt es festgelegte Zeitrahmen, die beachtet werden müssen: das Morgengebet „Tefilat Schacharit“ darf von Tagesanbruch an verrichtet werden und soll bis zum Ende des ersten Tagesviertels beendet sein; das Nachmittagsgebet „TefilatMincha“ soll in der letzten Hälfte des Tages, (etwa von ein Uhr an, verrichtet werden. Das Abendgebet „Tefilat Arbit“ oder „Maariw“kann vom Eintritt der Dunkelheit an bis Mitternacht verrichtet werden. Aus praktischen Gründen (Minjan) wird beim Gemeindegottesdienst oft das Minchagebet im Rahmen des zeitlich Erlaubten, also spätestens kurz vor Sonnenuntergang, unmittelbar vor dem Maariwgebet verrichtet.


An drei Tagen in der Woche, am Montag, am Donnerstag und am Samstag (Schabbat), wird im Rahmen des gemeinschaftlichen Morgengebetes in der Synagoge ein Abschnitt aus der Tora vorgelesen.Am Schabbat wird auch im Nachmittagsgebet aus der Tora vorgelesen


Die Abfolge der wöchentlichen Toralesungen folgt einem jährlichen Zyklus, der mit dem 1. Kap. des 1. Buches Mose am Fest „Simchat Tora“ beginnt und mit dem letzten Kapitel des 5. Buches Mose am Simchat-Tora-Fest des darauffolgenden(jüdischen) Jahres endet. Am Schabbat und an Feiertagen folgt nach der Toralesung die Vorlesung eines zum Wochenabschnitt inhaltlich passenden Abschnittes aus den Propheten. An den Feiertagen werden ein Toraabschnitt und ein Text aus den Propheten vorgelesen, die thematisch mit dem jeweiligen Fest in Verbindung stehen.
Am Schabbatmorgen und am Morgen von Feiertagen schließt sich an das Morgengebet und die Toralesung in der Synagoge unmittelbar ein weiteres Gebet an, welches Mussaf genannt wird.


Sowohl der Gottesdienst als auch die Toralesung und die Vorlesung des Prophetentextes erfolgen in Hebräisch. Beter, die nicht über ausreichende Hebräisch Kenntnisse verfügen, benutzen Gebetbücher und Pentateuchs, die neben dem hebräischen Text Übersetzungen in der jeweiligen Landessprache bzw. phonetische Transkriptionen der hebräischen Texte bieten.


Der Gottesdienst in der Synagoge wird gewöhnlich von einem Kantor oder einem Vorbeter geleitet. Grundsätzlich kann jeder im religiösen Sinn volljähriger Jude liturgische Aufgaben ausführen, sofern er die nötigen Kenntnisse besitzt und körperlich dazu in der Lage ist.

Allerdings ist nur ein Rabbiner dazu befähigt, eine religiöse Scheidung, die im Judentum unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist, durchzuführen. Ein Rabbiner ist ein jüdischer Theologe. Er erhält seine Lehrbefähigung nach einem entsprechenden Studium an einer Talmudhochschule. Oft, aber nicht zwingend, hat er auch ein weltliches Studium (Philosophie, Theologie) absolviert.

Rabbiner, Kantor oder Vorbeter sind alle Laien, die sich lediglich durch ihre spezielle berufliche Ausbildung und ihr Studium bzw. ihre geistige oder Körperliche Eignung (z.B. stimmlich für den Kantor) auszeichnen.
In den meisten Synagogen hält zwischen Toralesung und Mussaf am Schabbat und an Feiertagen der Gemeinderrabbiner eine Predigt in der Landessprache.

Außer den festgeschriebenen Gebetstexten können jederzeit auch eigene Gebete in Hebräisch oder in der Landessprache an Gott gerichtet werden. Im Ablauf der gemeinschaftlichen Synagogengottesdienste gibt es besondere Stellen, wo ein persönliches Gebet oder eine Fürbitte für einen Kranken eingeflochten werden können.

Frauen sind von der Verpflichtung der Erfüllung zeitlichgebundener Gebote befreit, was z.B. auch für die tägliche Verpflichtung zur Verrichtung der drei Gebete gilt. Frauen können und dürfen diese Gebete freiwillig verrichten, sie müssen es aber nicht.

In orthodoxen Synagogen herrscht hinsichtlich der Sitzordnung Geschlechtertrennung. Die Frauenplätze befinden sich entweder auf den Seiten des Raumes oder auf einer Empore. Gewöhnlich befindet sich vor den Frauenplätzen eine durchlöcherten Scheidewand oder ein durchscheinender Vorhang, wodurch den Frauen ermöglicht wird, dem Gottesdienst zu folgen, was jedoch den Männern den Blickkontakt zu den Frauen verwehrt.