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Von Geburt bis Bar-Mitzwa

Ein Kind, welches von einer jüdischen Mutter abstammt, ist von Geburt an jüdisch. Hat ein Kind nur einen jüdischen Vater und keine jüdische Mutter, ist das Kind nicht jüdisch.

Beschneidung

Ein jüdischer Junge wird, sofern er gesund ist, im Alter von 8 Tagen beschnitten. Mit der Erfüllung des Gebots der Beschneidungwird der Knabe in den Bund Gottes mit dem Volk Israel aufgenommen. DieBeschneidung wird durch eine speziell dafür ausgebildete Person,„Mohel“ genannt, ausgeführt, der heutzutage oft gleichzeitig auch Arzt ist.Während der Beschneidung hält ein männlicher Verwandter oder ein Freund der Familie das Baby auf dem Schoss. Er füllt die Funktion des „Sandak“, des Patenonkels, aus. Im Verlauf der Beschneidungszeremonie erhält der Junge auch seinen hebräischen Namen ( x ben/bat (=Sohn/Tochter von hebr. Vorname des Vaters), mit dem er später bei Eintritt in die religiöse Volljährigkeit zur Tora aufgerufen wird.

Pidjon haBen

Eine weitere Zeremonie, der ein männliches jüdisches Baby sich innerhalb seiner ersten vier Lebenswochen unterziehen muss, sofern es sich um einen erstgeborenen Sohn handelt, ist die Auslösung des Erstgeborenen, „Pidjon haBen“. Diese kleine Feierlichkeit bezieht sich auf ein Gebot, das im 2. B. Moses, 13:13-16 angeordnet ist und mit der Verschonung der israelitischen Erstgeborenen in Ägypten zusammen hängt.


Die Zeremonie wird nach Ablauf von 30 Tagen, also am 31. Tag nach der Geburt durchgeführt, und wird nur auf den nächsten Werktag verschoben, wenn der 31. Lebenstag auf einen Schabbat oder einen Feiertag fällt. Erstgeborene Söhne von Kohanim, den Nachkommen von Priestern, und von Leviim, den Nachkommen von Leviten, sind davon ausgenommen. Die Feier wird nicht ausgeführt, wenn das Kind durch Kaiserschnitt auf die Welt kam.


Nach biblischer Vorschrift sind alle Erstlinge Gott geweiht zum Zeichen dafür, dass alles Leben und alle Gaben von Gott kommen. „Heilige mir alles Erstgeborene. Was bei den Kindern Israels den Mutterschoß eröffnet, bei Mensch und Vieh, das gehört mir“ (2. B. Moses, 13,2). Die Erstlinge der Bodenfrüchte wurden im Tempel geopfert; die Erstlinge von Haustieren mussten dem Priester gespendet werden, sofern ihr Fleisch genossen werden durfte; andernfalls musste ein Lamm als Ersatz gegeben werden.


Ursprünglich waren alle Erstgeborenen jüdischen Söhne zum Tempeldienst verpflichtet und stellten die heilige priesterliche Klasse dar. Sie wurden in Ägypten mit der Plage des Todes der Erstgeborenen verschont. Als aber die Juden einschließlich der Erstgeborenen das goldene Kalb anbeteten, haben die Erstgeborenen ihren besonderen Status verwirkt. Das Priesteramt wurde auf den Stamm übertragen, der das goldene Kalb nicht angebetet hatte: Die Leviten, besonders aber die Kinder Aarons. („Nimm die Lewijim für alle Erstgeborenen unter den Kindern Israel und das Vieh der Lewijim für ihr Vieh, und es gehören die Lewijim mir, dem Ewigen. Und (für) die Gelösten der zweihundertundsiebzig, die überzählig über die Lewijim von den Erstgeborenen der kinder Israel, nimmst du je fünf Schekel für den Kopf nach dem Schekel des Heiligtums nimmst du zwanzig Gerah der Schekel“. (4. B. Moses 3:45-47). Die Münzen wurden dem Kohen im Austausch für den Tempeldienst gegeben, den der Kohen anstelle des Erstgeborenen durchführte. Da Frauen nicht im Tempel dienten, brauchten sie (und brauchen sie auch heute) nicht ausgelöst zu werden.

Opscheren

Am 3. Geburtstag eines Knaben ist es Tradition, ihm zum ersten Mal die Haare abzuschneiden. Bis dahin wurden ihm keine Haare geschnitten. Diese Zeremonie nennt man in aschkenasischen Kreisen „Opscheren„bei sephardischen Juden heißt es auf Judeo-Arabisch „chalakka“ (Kahlscheren).


Dieser erstmalige Haarschnitt geschieht im Rahmen einer kleinen Feier, bei welcher sich Familie und Freunde versammeln. Der Junge wird mit Kippa und Zizit bekleidet. Die Ehre des Abschneidens der ersten Locke wird meist dem Rabbiner oder einem Kohen überlassen. Alle anderen Anwesenden erhalten ebenfalls die Ehre, eine Strähne abzuschneiden. Bei dieser Gelegenheit werden die zwei Schläfenlocken Peot (jiddisch „Peijes“), nach dem entsprechenden biblischen Gebot stehen gelassen und der Junge trägt von nun an immer eine Kippa und einen Talit Katan. Die Zeremonie wird in unseren Breiten gewöhnlich zu Hause oder in der Synagoge durchgeführt und nach einer kurzen Ansprache mit Weisheiten aus der Tora mit einem kleinen Imbiss abgeschlossen.


Es gibt eine Reihe von Tagen im Jahr, an denen das Schneiden der Haare verboten oder nicht erwünscht ist. Sollte der dritte Geburtstag auf einen dieser Tage fallen, wird die Zeremonie auf die nächstmögliche Gelegenheit verschoben.
In Israel wird diese Zeremonie an Lag BaOmer in Meron, an der Grabstätte von Rabbi Schimon, dem Autor des Sohar (Ein wichtiges Buch der jüdischen Mystik), abgehalten.

Cheder

Ebenfalls mit drei Jahren beginnt in besonders streng traditionsgebundenen Familien die religiöse Unterrichtung eines Knaben im Cheder.


Der „Cheder“ ist und war eine Art jüdischer Grundschule. Kinder ab 3 Jahren, spätestens ab 4 Jahren lernten/lernen dort von einem pädagogisch mehr oder weniger geschulten oder begabten Lehrer Hebräisch fließend zu lesen, die Gebete zu rezitieren (insbesondere das Schema), den Pentateuch zu übersetzen, den Raschi-Kommentar zur Tora zu verstehen und nicht zuletzt die hebräische Schreibschrift.


Spätestens aber mit der Einschulung in die weltliche Schule mit 6 Jahren beginnt ein jüdisches Kind den jüdischen Religionsunterricht zu besuchen. Dort erlernt es u.a. die hebräische Sprache wenigstens passiv, um später dem Gottesdienst und der Tora-Vorlesung in der Synagoge folgen zu können. Außerdem beinhaltet das Kurrikulum, Unterricht über die religiösen Ge- und Verbote, die Bedeutung des Schabbat und der Feiertage, sowie in Biblischer Geschichte.

Bar Mitzwa

Mit 13 Jahren wird ein jüdischer Junge im religiösen Sinne volljährig und ist von nun an für seine Taten selbst verantwortlich. Dies wird mit einem besonderen Fest, der Bar-Mitzwa, gefeiert.
Vor seinem 13. Geburtstag (nach jüdischem Kalender!) erhält er Unterricht bei einem Rabbiner. Anschließend wird er „aufgerufen“, die Segenssprüche über die Tora zu sprechen und legt erstmalig die Teffilin an. Dies geschieht an einem der Tage direkt nach dem Geburtstag, an denen die Tora gelesen wird, also Montag, Donnerstag oder Samstag. Der Vater befreit sich durch einen besonderen Segensspruch von der Verantwortung für seinen Sohn. Von nun an ist der Junge selbst für seine Taten und Sünden verantwortlich (bis dahin gingen seine Sünden auf das Konto seines Vaters) und er nimmt am öffentlichen religiösen Leben teil. Er wird mitgezählt, wenn die Zahl der Männer bestimmt wird, die für einen Gottesdienst gebraucht werden (Minjan) - hierzu müssen zehn erwachsene Männer anwesend sein. Ab diesem Zeitpunkt legt er beim wöchentlichen Morgengebet die Tefillin (Gebetsriemen) an.


Während der Bar Mitzwa-Feier in der Synagoge liest der Bar-Mizwa-Junge im Rahmen der Toralesung einen Toraabschnitt vor und hält üblicherweise eine Ansprache an die Gemeinde in welcher er seinen Eltern und seinem Religionslehrer für die genossene jüdische Erziehung dankt und verspricht, ein aktives Gemeindemitglied zu werden. Die sich an den Gottesdienst anschließende gesellige Feier istAnlass, dem Jungen Geschenke zu überreichen.

Bat-Mitzwa

Es ist in den letzten Jahrzehnten (im Reformjudentum seit dem 19. Jhdt.) im Zuge der Gleichberechtigungsbestrebungen für Frauen vielfach Brauch geworden, auch für Mädchen eine ähnliche Feier zu veranstalten, sie findet gewöhnlich im Alter von 12 Jahren statt und heißt dann „Bat- Mitzwa“. In vielen Gemeinden werden Bat Mitzwa-Feiern nicht zu individuellen Terminen, wie für jungen, abgehalten, sondern nur einmal im Jahr für alle Mädchen eines Jahrgangs im Rahmen des Gottesdienstes des Feiertags „Schawuot“. Die nunmehr im religiösen Sinn volljährige junge Frau hält bei dieser Gelegenheit einen kleinen Vortrag über ein religiöses Thema und der Rabbiner hält eine Ansprache, die sich speziell an das/die neuen Gemeindemitglieder richtet.


Die Ausdrücke Bar Mitzwa und Bat Mitzwa bezeichnen sowohl das junge Gemeindemitglied, das religionsmündig wird, als auch die dazu gehörige Feier. Wörtlich übersetzt bedeutet der Ausdruck: ”Sohn „ bzw. „Tochter des Gebotes”.

Geburtstag im Judentum

Den Geburtstag zu feiern ist keine jüdische Tradition. Dennoch hat das Brauchtum der säkularen und der christlichen Umwelt insbesondere für Kinder seine Spuren auch in jüdischen Familien hinterlassen (Geschenke). Erwachsene Männer lassen sich in der Woche vor oder nach dem Geburtstag am Schabbat in der Synagoge zur Tora aufrufen. Dies ist eine Gelegenheit, einen besonderen Segen und Glückwunsch zu erhalten und einen Betrag für wohltätige Zwecke zu spenden.