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Aufarbeitung der NS-Vergangenheit

Als eine Folge der Studentenbewegung der 60er und 70er Jahre setzte überall in Westdeutschland, sowohl an Universitäten wie auch auf regionaler Ebene in den Historischen Vereinen, eine aufrichtige und freimütige Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ein, so auch im Saarland. Arbeitsgruppen bildeten sich, Geschichtswerkstätten wurden gegründet, Forschungsergebnisse in Vorträgen und Publikationen vorgestellt.
Diese Aufarbeitung und Bewusstseinsschärfung inspirierte Politiker und Bürgerinitiativen ab den achtziger Jahren zu zahlreichen exemplarischen Aktionen sowie zu Buchveröffentlichungen zur regionalen Geschichte der Juden und zu Vortragsveranstaltungen zum Thema des Antisemitismus und des „Neuen Rechtsextremismus“ in Deutschland.
Befruchtet und unterstützt wurde dieser neue erinnerungspolitische Denkansatz auch durch die damals aufsehenerregende bundesweite Ausstrahlung der amerikanischen Fernsehserie "Holocaust" im Januar 1979.

Stellvertretend für viele andere seien ein paar charakteristische Beispiele aus jenen Jahren genannt:
Die Errichtung der 1970 initiierten, dem von den Nationalsozialisten ermordeten deutsch-jüdischen Bildhauer und Maler Otto Freundlich gewidmete, „Skulpturenstraße“ von St. Wendel zum Bostalsee. Im September 1980 wurde dort ein Mahnmal zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus errichtet.
Am 18. November 1987: Einweihung der Gedenktafel für die Opfer des Naziregimes vor dem jüdischen Friedhof in Diefflen.
Am 12. Mai 1989 in Wellesweiler: Straßen-Umbenennung nach dem früheren Bürger Dr. Ernst Blum.
1990-1993: Erstellung des Mahnmals „2145 Steine - Mahnmal gegen Rassismus“ auf dem Schlossplatz Saarbrücken durch den Konzeptkünstler und damaligen Gastprofessor an der HBK-Saar, Jochen Gerz, und seine Studenten.
Am 9. November 1994 Umbenennung des Oberen Marktes in Neunkirchen in „Synagogenplatz“.
Am 8.11.1998: Enthüllung des Gedenksteins zur Erinnerung an die jüdische Schule und die Synagoge von Saarwellingen in der Engelstrasse.
Februar-März 1999: Die Wanderausstellung „Vernichtungskrieg – Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944“ wird im VHS-Zentrum in Saarbrücken gezeigt. Ein Bombenanschlag am 9. März verursachte glücklicher Weise nur materiellen Schaden.
1999: Eröffnung des „Regionalgeschichtlichen Museums Saarbrücken“ (heute Historisches Museum Saar) mit dem ersten Teil der Dauerausstellung „10 statt 1000 Jahre - Die Zeit des Nationalsozialismus an der Saar 1935 bis 1945“ und der Publikation eines umfangreichen gleichnamigen Katalogs mit wissenschaftlichen Beiträgen u.a. über dem Schicksaal saarländischer Juden.
Am 9.11.2000 wurde eine neue Gedenktafel zur Erinnerung an die Zerstörung der Saarbrücker Synagoge an ihrem ehemaligen Standort Ecke Futter- und Kaiserstrasse 10 enthüllt. Die Landeshauptstadt Saarbrücken hatte die Anregung des damaligen Vorsitzenden der Gemeinde aufgegriffen, eine weitere Gedenktafel anzubringen und zwar in Augenhöhe der Passanten am äußersten Pfeiler der Arkade. Grund für diese zweite Erinnerungstafel war, dass die 1978 am Gebäude des damaligen Bekleidungshauses Krutmann in Höhe des ersten Obergeschosses angebrachte Bronzetafel von Passanten nicht wahrgenommen werden konnte und daher ihren Zweck verfehlte. Darüber hinaus benannte ihr Text das historische Geschehen nicht präzise genug: „Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde Saarbrücken. Sie wurde in der Zeit der Gewaltherrschaft am 9. November 1938 zerstört (…)“.
Im November 2000 wurde im Saarbrücker Rathaus die von der Historikerin Eva Tigmann für das Adolf-Bender-Zentrum (St. Wendel) konzipierte Ausstellung „Was geschah am 9. November 1938“ gezeigt. 1998 war die gleichnamige Publikation von Eva Tigmann veröffentlicht worden.
2002: Veröffentlichung der von Dr. phil. Horst Horch erstellten Video-Dokumentation „Wir haben Glück gehabt“ mit Interviews von saarländischen Holocaustüberlebenden.
Am 19. November 2007 fand in Illingen die erste Verlegung von Stolpersteinen für jüdische Holocaustopfer im Saarland statt. Die Initiative dazu war von zwei Schülern ausgegangen.
Im Mai 2008 wurde die Wanderausstellung „Anne Frank“ in Homburg gezeigt. Die Ausstellung wurde von einem speziell an Jugendliche gerichtetes Rahmenprogramm begleitet.

Der spürbare und nachhaltige Klimawechsel im Hinblick auf die kollektive Erinnerung an geschehenes Unrecht gegenüber saarländischen Juden und die daraufhin geänderte Wahrnehmung von gegenwärtig im Saarland lebenden jüdischen Menschen sowie der inzwischen vollzogene Wechsel der Generationen an den Schaltstellen von Politik und Gesellschaft begünstigten in hohem Maße das nun folgende Heraustreten der Synagogengemeinde aus ihrer Jahrzehntelangen Zurückhaltung im Hintergrund des öffentlichen Lebens.

Das jährliche Gedenken an die Opfer des Holocaust

Nach dem Vorbild der Gedenktafeln für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder in den saarländischen Vorkriegssynagogen wurde in der neuen Saarbrücker Synagoge eine Gedenktafel für die Opfer der Shoah vorgesehen. Sie wurde links vom Almemor an der Wand angebracht, so wie einst die Gedenktafel für die jüdischen gefallenen von 1914/18 in der ehemaligen Saarlouiser Synagoge, die der erste Vorsitzende, Senatspräsident Alfred Levy, vor dem Krieg besuchte.
Aber auch das lebendige Erinnern wurde nie vernachlässigt: Von Anbeginn an und bis heute veranstaltet die Gemeinde jährlich eine Gedenkstunde zum 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht von 1938, in der Synagoge.

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